Umfrage zum Blutspendeverhalten

Warum ist eigentlich noch niemand der Verantwortlichen auf die Idee gekommen, sich das konkrete Blutspendeverhalten homo- und bisexueller Männner anzuschauen? Genau das haben wir mit einer bundesweiten Umfrage unter Betroffenen gemacht. Folgende Pressemitteilung veröffentlichten wir auf Basis der Ergebnisse im Sommer 2009:

Homo- und Bisexuelle Männer sind als Blutspender geeignet

Erstmalige Untersuchung der Blutspendebereitschaft homo- und bisexueller Männer mit überraschenden Ergebnissen

Täglich spenden homo- und bisexuelle Männer in Deutschland Blut

Zu diesem Ergebnis kommt der Verein „Schwules Blut“ nach der Durchführung der ersten Untersuchung zur Blutspendebereitschaft homo- und bisexueller Männer. Mehr als 1.200 Männer wurden im Rahmen der Online-Studie zu ihrer Blutspendepraxis und ihrem individuellen Verhalten in Sachen Safer Sex befragt. Ziel der Studie war es herauszufinden, auf wie viele Blutspenden in Deutschland tatsächlich durch den generellen Ausschluss homo- und bisexueller Männer von der Blutspende verzichtet wird.

53% der Befragten homo- und bisexuellen Männer gehen zur Blutspende

Mehr als die Hälfte der befragten homo- und bisexuellen Männer war trotz des Verbots bereits Blut spenden, und die meisten wollen das auch weiterhin tun. „Der generelle Ausschluss homo- und bisexueller Männer ist offensichtlich überflüssig“,  resümiert Vereinssprecher Lars-Haucke Martens. „Schließlich gibt es in Deutschland keine steigenden Zahlen von HIV-Infektionen durch Blutspenden – obwohl täglich Schwule zur Blutspende gehen.“

 Eine weitere Erkenntnis der Befragung: Die Bereitschaft, Blutspenden zu gehen, ist unter homo- und bisexuellen Männern stark ausgeprägt. 42 % derjenigen, die bislang noch nie bei einer Blutspende waren, gaben an, dies künftig tun zu wollen.

 Der bei Blutspenden auszufüllende Spenderfragebogen erweist sich zudem als lückenhaftes Sicherheitsinstrument: Rund 30% der Befragten gaben an, bei der Frage nach ihrer sexuellen Orientierung regelmäßig die Unwahrheit anzukreuzen.

Schwule und bisexuelle Blutspender leben sicher

Der Verein „Schwules Blut“ kämpft dafür, dass künftig jeder Blutspendewillige, gleich welcher sexuellen Orientierung, zu seinem persönlichen Risikoverhalten befragt wird. Allein das Ergebnis dieser individuellen Befragung sollte darüber entscheiden, ob eine Tauglichkeit zur Blutspende vorliegt oder nicht. Lars-Haucke Martens: „Unsere Studie belegt zudem, dass sich viele homo- und bisexuelle Blutspender überraschend gut mit SaferSex auskennen, und dazu noch in festen Beziehungen leben.“

 65% der homo- und bisexuellen Blutspender in Partnerschaften sind nach ihren Angaben sogar ausschließlich monogam, bergen also keinerlei erhöhtes Risiko, sich mit HIV oder anderen durch Sex übertragene Krankheiten anzustecken. „Jeder Heterosexuelle, der ungeschützten Geschlechtsverkehr betreibt, hat hier ein höheres Risiko.“, so Martens weiter.

 Bis zu 6 Millionen zusätzliche Blutspenden pro Jahr

Nach Schätzungen sind rund 3 bis 7 Prozent der männlichen Bevölkerung homo- oder bisexuell, und damit grundsätzlich von der Blutspende ausgeschlossen. Davon ausgehend könnten bis zu 900.000 zusätzliche Blutspender in Deutschland gewonnen werden, wenn der generelle Blutspendeausschluss homo- und bisexueller Männer überarbeitet wird. Diese Zahl bezieht sich ausschließlich auf die Blutspendewilligen, die aufgrund ihres individuellen Risikoverhaltens auch für eine Blutspende in Frage kommen (70%). Fünf bis sechs Blutspenden im Jahr gelten für einen gesunden Mann als medizinisch vertretbar.

 Gerade in den blutspendearmen Sommermonaten erhält diese Zahl zusätzlich möglicher Blutspenden eine große Bedeutung. Jedes Jahr werden in Deutschland 5,4 Millionen Blutspenden benötigt.

Freude über die Ergebnisse der Online-Studie

Der Verein „Schwules Blut“ freut sich über die überraschenden Ergebnisse der Umfrage und hofft, damit Anreize für ein erneutes Nachdenken zum generellen Blutspendeausschluss homo- und bisexueller Männer geschaffen zu haben.

„Zum ersten Mal haben wir die tatsächliche Blutspendebereitschaft und das Risikoverhalten homo- und bisexueller Blutspender in Deutschland untersucht. Die Bundesärztekammer, das Paul-Ehrlich-Institut und das Robert-Koch-Institut müssen jetzt überprüfen, wie sie diese Ergebnisse in den Richtlinien zur Gewinnung von Blutprodukten umsetzen können.“